Zwölf Jahre lang war der Steinbildhauer mit der Rekonstruktion des umfangreichen barocken Bildprogramms für die Fassade des Berliner Stadtschlosses beschäftigt. Diese anspruchsvolle Tätigkeit erforderte eine intensive Auseinandersetzung mit dem italienischen und nordeuropäischen Barock und der europäischen Bildhauerkunst bis in die griechische Antike zurück.

Diese überwältigende Menge der Aufgebrochenen, Davoneilenden zieht uns in ihren Bann. Ein faszinierender Rhythmus geht durch das gewaltige Werk. Insgesamt 1.120 Tonfiguren.

„Transit“ heißt die Arbeit, angelehnt an Anna Seghers Exilroman, der von Vertreibung und Flucht erzählt. Mit 18 las Korner das Buch und vergaß es wieder. Doch rückblickend hat ihn die Thematik nie wieder losgelassen. Transit – der Übergang.

Der Begriff vermittelt den ganz normalen Ortswechsel über eine Grenze hinweg aber auch die metaphysische Verwandlung des Menschen. Korner hätte auch eine Einzelfigur erschaffen können, einen Transiteur. Doch erst in der Masse der Figuren entfaltet sich die ganze Wucht seiner Botschaft. Transit ist ein Ornament der Hoffnung und des Scheiterns.

Dicht an dicht, neben- und hintereinander, reiht sich in einer stufenartigen Anordnung im 45-Grad-Winkel ein bizarres Figurenprogramm: Würdenträger, Heilige, Märtyrer und Propheten jeglicher Religionen, Delinquenten der spanischen Inquisition, Stars, Idole und Ikonen der Pop- und Rockkultur, mythologische Figuren, Kämpfer und Soldaten mit Gasmasken, Comic-Helden – wie Batman und Bart Simpson, Burka-Trägerinnen, Riten- und Kultfigurationen, Selbstmord-Attentäter mit Sprengstoffgürtel und dazwischen immer wieder gewöhnliche Menschen. Sie alle befinden sich im Transit, im Übergang von der einen auf die andere Seite. Der Attentäter mit seinem Sprenggürtel, der zum Tode Verurteilte, die Hochschwangere und Batman, der Rächer in der Nacht.

Ein grausam-schönes Tableau des Zeitgeschehens ist dieser Teil von „Transit“, der Grandiosität und Entrücktheit vermittelt. Und dabei schalkhaft wie ein Woody Allen-Zitat wirkt: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich möchte bloß nicht dabei sein, wenn es passiert.“

Es gibt keinen Ausweg für die Flüchtenden. Ihre Bewegung ist Vollkommenheit und Tragödie zugleich. Korner beteuert, dieses Sujet schon seit vielen Jahren in sich zu tragen.

Man sagt, die Gesellschaft benötigt neue Bilder, um über Migration zu sprechen. Voilá – hier ist eines.